Best Practices aus der Industrie

Von der Erzeugung bis zur Anwendung: die Transformation der Industrie gelingt nur, wenn Erzeugung, Infrastruktur und Anwendung Hand in Hand gehen. Unsere Projekte zeigen, wie innovative Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette Lösungen realisieren – von der grünen Wasserstoffproduktion über Transport- und Speicherinfrastruktur bis hin zu industriellen Anwendungen. So wird deutlich: Die Zukunft ist kein fernes Ziel, sondern entsteht schon heute – sektorübergreifend und mit klarer Wirkung. 

Innovative Beschichtungen für H2-Anwendungen

Schaeffler hat mit der Entwicklung der innovativen Enertect-Beschichtungen PC+ und Enertect CT+ neue Maßstäbe für Wasserstoffanwendungen gesetzt. Diese edelmetallfreien Beschichtungen bieten eine herausragende Kombination aus hoher elektrischer Leitfähigkeit und Korrosionsbeständigkeit. Sie ermöglichen eine wirtschaftlichere Produktion von Bipolarplatten mit bis zu 75 % geringerem CO2 -Fußabdruck, wodurch die Effizienz und Nachhaltigkeit von Brennstoffzellen und Elektrolyseuren erheblich verbessert wird. 

Projektstatus:

Umsetzung

Seit über 75 Jahren treibt die Schaeffler Gruppe zukunftsweisende Erfindungen und Entwicklungen im Bereich Motion Technology voran. Mit innovativen Technologien, Produkten und Services in den Feldern Elektromobilität, CO2 –effiziente Antriebe, Fahrwerkslösungen und Erneuerbare Energien ist das Unternehmen ein verlässlicher Partner, um Bewegung effizienter, intelligenter und nachhaltiger zu machen.

Video:© BDEW

Stand: 10/2025

Optische Indikation von Wasserstoff

In enger Kooperation zwischen dem Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg wurde ein innovativer
H2-Indikator entwickelt, der ohne Stromversorgung und komplexe Messtechnik auskommt. Die Detektion erfolgt innerhalb weniger Sekunden und  basiert auf mikroskaligen Suprapartikeln (1-10 µm). Während an der FAU die Grundlagenforschung zum Verständnis des Reaktionsmechanismus durchgeführt wurde, wird am ISC die Innovation in den industriellen Maßstab getrieben. Die Farbänderung erlaubt eine schnelle und eindeutige Auswertung:

  • Violett: Ausgangszustand
  • Farblos: Akute Wasserstoffbelastung
  • Pink: Vergangene Wasserstoffbelastung

Projektstatus:

Entwicklung

Die FAU zählt zu den forschungsstärksten Universitäten Deutschlands. Das Fraunhofer ISC bringt seine Expertise in funktionalen Materialien und Sensorsystemen in die Entwicklungen – mit dem Ziel, einen passiven, kostengünstigen und zuverlässigen Indikator für Wasserstoff für industrielle Anwendungen bereitzustellen.

Video:© Frauenhofer ISC

Stand: 10/2025

Technologie für ein Wasserstoff-BHKW

Die INNIO Group und RAG Austria haben in Oberösterreich die europaweit erste Wasserstoff-KWK-Anlage der 1-MW-Klasse im Vollbetrieb gestartet. Die Jenbacher Anlage erzeugt grünen Strom und Wärme. Das Projekt dient als Beispiel für die Nutzung von grüner Energie und Versorgungsicherheit. Im weltweit ersten
100 %-Wasserstoffspeicher in einer unterirdischen Porenlagerstätte werden bis zu 4,2 GWh Sommerstrom in Form von grünem Wasserstoff gespeichert und für die Energieversorgung im Winter bereitgestellt.  

Projektstatus:

Umsetzung

Die INNIO Group ist ein führender Anbieter von Energielösungen und Services, der Industrien und Gemeinden in die Lage versetzt, Energie nachhaltiger zu machen. Mit ihren Jenbacher und Waukesha Produktmarken sowie ihrer KI-unterstützten digitalen myPlant Plattform bietet die INNIO Group innovative Lösungen für die Energieinfrastruktur von Datacentern, die dezentrale Energieerzeugung und Verdichtungsanwendungen.

Foto: ©RAG Austria AG & INNIO Group

Stand: 12/2025

H2 Micro Mix Brenner

Kawasaki Heavy Industries hat gemeinsam mit der B&B-AGEMA GmbH und der FH Aachen ein innovatives DLE-Brennersystem für Gasturbinen entwickelt, das bereits heute mit 100 % Wasserstoff betrieben werden kann. Aktuell ist zudem eine Erdgasbeimischung von bis zu 50 % möglich – Ziel ist die völlige Brennstoffflexibilität bei gleichzeitig niedrigen NOx-Emissionen.
Das System nutzt eine Querstrommischung von Luft und Wasserstoff sowie miniaturisierte Flammen. Dadurch wird eine saubere, stickoxidarme Verbrennung ermöglicht – ganz ohne zusätzliche Wassereinspritzung oder Dampfeindüsung. Dies stellt einen entscheidenden Fortschritt in Richtung klimafreundlicher Gasturbinentechnologie dar. 

Projektstatus:

Entwicklung

Kawasaki ist ein weltweit führender Anbieter wasserstoffbasierter Energiesysteme. Die B&B-AGEMA ist ein international agierender Entwicklungs-dienstleister für Gasturbinentechnologien. Die FH-Aachen bringt praxisnahe Forschung und hochmoderne Prüftechnik in das Projekt ein.

Video:© Kawasaki Gas Turbine Europhe GmbH

Stand: 10/2025

H2-POWERPLANT: Grüner Wasserstoff als Energiespeicher für die Eigenversorgung und Lastmanagement

In Dortmund betreibt Wilo mit der „H2POWERPLANT“ eine Anlage, die überschüssigen erneuerbaren Strom in grünen Wasserstoff umwandelt, speichert und bei Bedarf wieder rückverstromt– als Baustein für Notstrom/Netzersatz und mehr Standort-Autarkie. Das System besteht aus mehreren, integrierten Komponenten: Elektrolyseure, Wasserstoffspeicher, Batteriepufferspeicher, Brennstoffzellen und Steuerung/Energiemanagement. Die bei der Elektrolyse und Rückverstromung entstehende Abwärme wird im Verbundsystem genutzt und kann auch in Kälte umgewandelt werden, um so eine höhere Gesamteffizienz zu erreichen. Perspektivisch ist zudem eine Speicher-Erweiterung der Anlage für eine autarke Energieversorgung von bis zu zwei Tagen vorgesehen.

Die H2POWERPLANT ist als modulares, skalierbares Konzept für den Einsatz in Industrie und Gewerbe ausgelegt: Als Container-Bauweise kann die Anlage schnell errichtet und über zusätzliche/größere Container in Leistung (bis hin zu 5 MW) und Speichervolumen (bis zu 3 t H₂-Speicherung) erweitert werden. Damit adressiert das System Anwendungsfälle – je nach individuell ermitteltem Bedarf – zwischen klassischem Batteriespeicher und großindustrieller Wasserstoffproduktion, wie bspw. für Produktionsbetriebe, Logistik-Hubs oder Rechenzentren – inkl. Nutzung der Abwärme oder Kälte.

Projektstatus:

Umsetzung

WILO SE ist u.a. Pumpenhersteller, Projektentwickler, Betreiber der Referenzanlage und Systemintegrator der H2POWERPLANT. Ziel ist die Übertragung des Konzepts in modular skalierbare Kundenlösungen. Für die Umsetzung arbeitet Wilo mit Technologiepartnern zusammen, u. a. Schneider Electric (Microgrid-/Energiemanagement, Automatisierung), Enapter (Elektrolyseur-Technologie) und Proton Motor (Brennstoffzellen-Komponente); für Batterie-/Leistungselektronik und Systemtechnik ist u. a. Commeo Partner.

Video:© haustec TV

Stand: 03/2026

HEART Wasserstoffdüse

Rolls-Royce hat in Zusammenarbeit mit dem DLR weltweit erstmalig eine Kraftstoffdüse entwickelt und getestet, die in einem modernen Flugzeugtriebwerk 100 % Wasserstoff verbrennen kann. Die sogenannte Heart-Düse, getestet in der DLR-Infrastruktur, ermöglicht den Betrieb mit Null CO2 -Emissionen und erfüllt alle notwendigen Betriebsparameter, einschließlich zertifizierbarer NOx -Emissionen. Dieses Projekt markiert einen bedeutenden Meilenstein in der Luftfahrt und ebnet den Weg für klimaneutrale Flugzeugtriebwerke der Zukunft.

Projektstatus:

Testphase

Rolls-Royce Deutschland mit seinem Standort Dahlewitz ist das Kompetenzzentrum für die Zweiwellentriebwerke im Konzern – hier befindet sich die Entwicklung und Endmontage aller BR700- und Pearl-Triebwerke sowie die Forschung und Entwicklung für Triebwerke der nächsten Generation. Der DLR e.V. ist eine der führenden Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der Brennkammerentwicklung für Fluggasturbinen und deren Test. Auf dem Gebiet der Wasserstoffverbrennung forscht das DLR e.V. seit ca. 20 Jahren.

Foto:© Rolls Royce

Stand: 10/2025

CO2-reduzierte Stahlherstellung

Im Rahmen der Dekarbonisierungsstrategie SALCOS® (Salzgitter Low CO2 Steelmaking) ersetzt die Salzgitter Flachstahl GmbH schrittweise Kohlenstoff durch Erdgas und Wasserstoff in der Primärstahlproduktion. Bei der Reduktion von Eisenerz entsteht dadurch zunehmend Wasser (H₂O) anstelle von Kohlendioxid (CO₂) – ein entscheidender Schritt hin zu einer klimafreundlichen Stahlherstellung. Die für den Prozess benötigte Wärme stammt aus elektrischer Energie und Wasserstoff. Nach Hochlauf in 2027 sollen jährlich über 2 Millionen Tonnen CO₂ eingespart werden. Beginnend mit rund 9.000 Tonnen Wasserstoff aus eigner Produktion kann der Einsatz von Wasserstoff durch Bezug aus dem Kernnetz auf bis zu 150.000 Tonnen pro Jahr gesteigert werden. Damit ist eine Einsparung von bis zu 3,6 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr möglich.

Projektstatus:

Umsetzung

Die Salzgitter Flachstahl GmbH, Teil der Salzgitter AG, zählt zu den führenden Stahlproduzenten Europas und ist Wegbereiter für eine klimaneutrale Industrieproduktion. Das Unternehmen investiert umfassend in die Umstellung seiner Werke auf eine grüne Wasserstoffwirtschaft – ein zentraler Bestandteil der nachhaltigen Industriepolitik in Deutschland und Europa.  

Foto: SALCOS Salzgitter AG

Stand: 10/2025

Wasserstofffähiges Gaskraftwerk macht einen Traditionsstandort fit für den Kohleausstieg

Am Standort Stuttgart-Münster hat die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) eines der ersten wasserstofffähigen Gasturbinen-Kraftwerke Deutschlands offiziell in Betrieb genommen. Das Projekt steht für einen Fuel Switch an einem bestehenden Kraftwerksstandort: Weg von kohlebasierten Erzeugungsstrukturen, hin zu einer flexibel einsetzbaren Gasinfrastruktur, die perspektivisch auch mit 100 % Wasserstoff betrieben werden kann. Die neue Anlage ersetzt die bisherigen Kohlekessel und heizölbetriebenen Gasturbinen und ist damit ein wichtiger Baustein für die Modernisierung des Standorts.

Herzstück des Projekts sind zwei Gasturbinen von Siemens Energy. EnBW und Siemens Energy haben das Vorhaben gemeinsam mit dem Ziel umgesetzt, die Anlage von Anfang an so auszulegen, dass Erdgas in den 2030er Jahren durch Wasserstoff ersetzt werden kann. Das Kraftwerk verfügt über 124 Megawatt elektrische Leistung und 370 Megawatt thermische Leistung und versorgt den Fernwärme-Verbund Mittlerer Neckar mit Fernwärme. Damit zeigt das Projekt, wie sich bestehende Kraftwerksstandorte in Deutschland technisch so weiterentwickeln lassen, dass sie Versorgungssicherheit, Fernwärme und die Perspektive auf Wasserstoff miteinander verbinden.

Die Transformation des Energiesystems wird am Standort Stuttgart-Münster sichtbar: Neben dem wasserstofffähigen Gaskraftwerk ist eine Großwärmepumpe für die CO2- freie Fernwärmeerzeugung, ein Batteriespeicher sowie das bereits seit 1905 bestehende Restmüllheizkraftwerk für die thermische Verwertung von Abfällen im Einsatz.

H2 Ready Kraftwerk Drohnen Bild

Projektstatus:

Umsetzung

EnBW Energie Baden-Württemberg AG gehört zu den größten Energieversorgern in Deutschland und treibt mit seinen Fuel-Switch-Projekten den Umbau bestehender Kraftwerksstandorte voran. Für Stuttgart-Münster arbeitete EnBW unter anderem mit Siemens Energy zusammen, das die Gasturbinen für das neue wasserstofffähige Kraftwerk lieferte. Das Projekt in Stuttgart-Münster zeigt damit auch, wie Energieversorger und deutsche Energietechnologie gemeinsam an der Umrüstung bestehender Infrastruktur für eine wasserstofffähige Zukunft arbeiten.

Video:© EnBW

Stand: 05/2026

Innovatives H2-Regionalnetz für eine klimaneutrale Energieversorgung

„Rh2ein-Main Connect“ plant ein 210 km langes Wasserstoff-Regionalnetz für die Metropolregion Frankfurt Rhein-Main. Das Projekt verbindet Industrie, Kraftwerke, Gewerbe und nachgelagert in der Fläche die Versorgung des dezentralen Wärmemarktes im
Rhein-Main-Gebiet mit kohlenstoffarmem und erneuerbarem Wasserstoff und wird ab 2030 an das nationale Kernnetz angebunden. Durch die Nutzung bestehender Gasinfrastrukturen und eine enge Kooperation von regionalen Versorgern und Fernleitungsnetzbetreibern entstehen Synergien, die eine schnelle, kosteneffiziente und nachhaltige Umsetzung ermöglichen. Das Projekt dient als Blaupause für die Transformation von Gasnetzen in anderen Regionen Deutschlands.

Projektstatus:

Planung & Finanzierung

Das Konsortium umfasst die ENTEGA AG, Mainova AG, ESWE Versorgungs AG, Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG, e-netz Südhessen AG, NRM Netzdienste Rhein-Main GmbH, Open Grid Europe GmbH sowie die GASCADE Gastransport GmbH. Gemeinsam gestalten wir die Wasserstoffzukunft für eine der größten Metropolregionen Europas.

Foto:© Rh2ein-Main Connect, Hydrogen Germany

Stand: 10/2025

Wasserstoff in Eisen-Nuggets

Die AMBARtec AG aus Dresden entwickelt mit ihrer Technologie eine Lösung, mit der Wasserstoff mit Hilfe von Eisen-Nuggets gespeichert und transportiert werden kann. Grundlage ist eine Redoxreaktion: „rostiges“ Eisenoxid wird bei hohen Temperaturen mit Wasserstoff behandelt und damit chemisch in Eisen umgewandelt. Am Einsatzort wird Wasserstoff durch die Zugabe von heißem Wasserdampf wieder freigesetzt: Es liegen wieder Wasserstoff und „rostiges“ Eisenoxid vor. Damit will AMBARtec Wasserstoff nicht nur speicherbar, sondern auch mit bestehender Logistik in Containern oder als Schüttgut wie bspw. via Bahntransport flexibel nutzbar machen. Laut Unternehmen funktioniert der Be- und Entladezyklus inzwischen mindestens 5.000-mal ohne Leistungsverlust. Zugleich ist eine hohe volumetrische Energiespeicherdichte gegeben. Die Technologie soll insbesondere dort eingesetzt werden, wo keine direkte Anbindung an das Wasserstoffkernnetz besteht oder wo Industrie- und Kommunalkunden frühzeitig auf eine dezentrale Wasserstoffversorgung angewiesen sind.

Projektstatus:

Umsetzung

Für die Markteinführung realisiert die AMBARtec AG derzeit zwei Referenzprojekte: In Freiberg beim Deutschen Brennstoffinstitut soll in einem Wasserstoffkraftwerk die gesamte Lieferkette von der Anlieferung über die Entladung bis zur Nutzung vor Ort demonstriert werden; in einem Stahlwerk in Taranto (Italien) wird im Rahmen des EU-Projekts H2Loop erprobt, wie sich Wasserstoff mit Hilfe der Eisenoxid-Nuggets aus Hochofenabgasen gewinnen lässt. Die Speicherlösung ist als 20-Fuß-Standardcontainer ausgelegt und richtet sich vor allem an mittelständische Industriebetriebe, kommunale Anwendungen sowie Betreiber von Reservekraftwerken.

Foto:© AMBARtec AG

Stand: 05/2026

Das Speicherprojekt RWE Epe H₂

Der im Bau befindliche Speicher „Epe H₂“ der RWE Gas Storage West wird Deutschlands erster kommerzieller Wasserstoffspeicher. Er ermöglicht die effiziente Speicherung von Wasserstoff in unterirdischen Salzkavernen und spielt eine essentielle Rolle für den Ausgleich zwischen der volatilen erneuerbaren Strom- bzw. H2-Erzeugung und den Wasserstoffanwendungen. Als Teil der Wasserstoff-Wertschöpfungskette in der
„Get-H2“ Initiative trägt das Projekt damit wesentlich zur Strukturierung der Wasserstoffversorgung bei und liefert darüber hinaus wichtige Erkenntnisse für die Umstellung von der Erdgas- auf die Wasserstoffspeicherung. 

Projektstatus:

Umsetzung

Die RWE Gas Storage West GmbH (RGSW), mit Sitz in Essen, betreibt und vermarktet vier Untergrund Erdgasspeicher (Kavernenspeicher) mit einem Arbeitsgasvolumen von rund 1,5 Mrd. Kubikmetern für den nordwesteuropäischen Gasmarkt. Zukünftig wird die Speicherung von Wasserstoff ein wichtiger Bestandteil einer klimaneutralen Energieversorgung sein. Mit ihrem ersten H2 -Speicher wird die RGSW ihr Speicherangebot erweitern und aktiv zur Transformation der Energieversorgung beitragen. Das Projekt war als eines von drei Projekten in der Kategorie „Transport und Infrastruktur“ des Innovationspreises Neue Gase nominiert und gewann schließlich nicht nur diese Kategorie, sondern auch den Publikumspreis.

Foto: RWE Gas Storage West GmbH

Stand: 10/2025

Umwidmung bestehender Infrastruktur für Wasserstoffspeicherung

Am Standort Etzel in Niedersachsen wird mit dem Projekt H2CAST Etzel die Umstellung bestehender Salzkavernen- und Speicherinfrastruktur auf Wasserstoff erprobt. Im Zentrum steht nicht primär ein bereits marktreifer Speicherbetrieb, sondern der technische und infrastrukturelle Transformationspfad: Bestehende Kavernen, Übertageanlagen und Leitungsinfrastruktur sollen so weiterentwickelt werden, dass sie künftig für die großvolumige Speicherung von Wasserstoff nutzbar sind. Damit adressiert das Projekt eine zentrale Herausforderung des Wasserstoffhochlaufs: wie vorhandene Erdgas- und Öl-Infrastrukturen in eine künftige Wasserstoffwirtschaft überführt werden können. Ein wichtiger Meilenstein wurde im Frühjahr 2026 erreicht: Die Befüllung der Kavernen mit rund 90 Tonnen bzw. 1 Million Normkubikmeter Wasserstoff wurden von STORAG ETZEL und Gasunie erfolgreich abgeschlossen. Die Eignung und die Dichtheit der Salzkavernen wurde mit Wasserstoff vorab über einen Zeitraum von 2 Jahren bei maximalem Betriebsdruck erprobt und nachgewiesen. Nach der Inbetriebnahme der von Gasunie entwickelten und derzeit im Bau befindlichen obertägigen Wasserstoffspeicherungs-Pilotanlage folgen voraussichtlich im Sommer 2026 erste Tests und eine intensive Testphase zur Erprobung der Effizienz von verschiedenen Reinigungs- und Trocknungsverfahren. Deren Ergebnisse werden gegen Ende des Jahres 2027 erwartet. H2CAST Etzel liefert wertvolle Erkenntnisse für die großskalige Wasserstoffspeicherung und eine energieoptimierte Anlagenauslegung. Es trägt zur Energiewende bei, indem es Flexibilität und Versorgungssicherheit erhöht. Weitere Ausbaumöglichkeiten ergeben sich aus der Integration von Strom aus Offshore-Wind und Solarenergie, der grenzüberschreitenden Pipeline-Anbindung Etzels an die Niederlande sowie dem Wasserstoffimport per Schiff über ein H2-Terminal im nahe gelegenen Tiefwasserhafen Wilhelmshaven. STORAG ETZEL beschreibt H2CAST zugleich als Ausgangspunkt für einen größeren H2-Knoten im Nordwesten mit Anbindung an Wilhelmshaven sowie die Regionen Friesland und Ostfriesland, industrielle Nachfrage, Wasserstofferzeugung und das geplante europäische Wasserstoffnetz. Die besondere Stärke des Vorhabens liegt damit im ganzheitlichen Ansatz: Speichererprobung, Infrastrukturumwidmung und regionale Systemintegration.

Abbild des Untergrundes mit den perspektivischen unterschiedlichen Speichermöglichkeiten

Projektstatus:

Umsetzung

Das Projekt H2CAST umfasst 7 Projektpartner. Projektkoordinator ist die STORAG ETZEL GmbH, die am Standort Etzel zusammen mit Partner Gasunie die Umwidmung bestehender Untertage- und Obertageinfrastruktur für Wasserstoff vorantreibt. Im Projektverlauf wurden die Wasserstoffbefüllung der Kavernen gestartet, Übertageanlagen errichtet und im März 2026 eine Befüllung mit 90 Tonnen Wasserstoff erfolgreich abgeschlossen. Für die weitere Skalierung der Wasserstoffspeicherung arbeitet STORAG ETZEL zudem mit Partnern an der Entwicklung großvolumiger Speicherperspektiven. Das Projekt wird gefördert durch das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz und durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Foto: STORAG ETZEL GmbH

Stand: 05/2026

Energiepark Bad Lauchstädt demonstriert vollständige industrielle Wertschöpfungskette

Der Energiepark Bad Lauchstädt ist ein großtechnisches Infrastrukturvorhaben für Erzeugung, Speicherung, Transport und Nutzung von grünem Wasserstoff. Mit einer 30 MW-Großelektrolyse-Anlage werden jährlich 26,9 Mio. m³ Wasserstoff produziert und über eine umgebaute Gaspipeline zur chemischen Industrie transportiert. Perspektivisch kann der Wasserstoff auch in einer Salzkaverne gespeichert werden. Durch die Nutzung bestehender Infrastruktur und die Entwicklung innovativer Technologien setzt das Projekt Maßstäbe für die Skalierung der Wasserstoffwirtschaft und die Dekarbonisierung der Industrie.

Projektstatus:

Umsetzung

Das Vorhaben wird von einem Konsortium aus sieben Unternehmen getragen, welche die unterschiedlichen Wertschöpfungsstufen verantworten: Terrawatt Planungsgesellschaft mbH (Windstromerzeugung), Uniper und VNG Handel & Vertrieb GmbH (Elektrolyse und Vermarktung), VNG Gasspeicher GmbH (Speicherung), ONTRAS Gastransport GmbH (Transport), DBI – Gastechnologisches Institut gGmbH Freiberg (wissenschaftliche Begleitforschung) und VNG AG (Konsortialleitung).

Foto:© Energiepark Bad Lauchstädt (EBL) & VNG Gasspeicher GmbH (VGS)

Stand: 10/2025

Wasserstofferzeugung mit alternativen Wasserquellen

Im niedersächsischen Sande (Landkreis Friesland) entsteht mit dem Wasserstoffpark Friesland einer der größten Elektrolyse-Standorte Deutschlands. Der Auf- und Ausbau ist modular: In der ersten Stufe soll das Projekt „ANKER“ mit 400 MW starten (Inbetriebnahme ab 2030) und jährlich bis zu 80.000 Tonnen grünen Wasserstoff erzeugen – perspektivisch erweiterbar auf 800 MW. Langfristig bietet der Standort Platz für 2,4 GW Elektrolyseleistung. Das besondere Merkmal ist die langfristig geplante Bereitstellung des Wassers für den Elektrolyseprozess ohne die Nutzung von Trinkwasserressourcen: Im Fokus steht dabei aufbereitetes Abwasser und Oberflächenwasser. Auch die Nutzung von Nordsee-Meerwasser ist möglich, welches über eine bestehende Leitung zur Anlage transportiert und vor Ort aufbereitet werden kann. Parallel dazu läuft seit Februar 2026 eine über das BMWE geförderte Machbarkeitsstudie für ein Wärmenetz in Sande und Schortens, das die bei der Elektrolyse entstehende grüne Wärme für die regionale Wärmeversorgung nutzbar machen soll. Die Anbindung an Stromtrassen und das Wasserstoffkernnetz sowie die optionale Zwischenspeicherung von Wasserstoff in nahegelegenen Salzkavernen unterstützen eine verlässliche Versorgung industrieller Abnehmer im Ruhrgebiet, Raum Salzgitter und der Region Hamburg.

Projektstatus:

Planung & Finanzierung

Projektentwickler des Gesamtstandortes ist die Friesen Elektra Green Energy AG. Investor/Partner der ersten Ausbaustufe („ANKER“) ist Copenhagen Infrastructure Partners. STORAG ETZEL bringt bestehende Leitungsinfrastruktur für die Meerwasserversorgung sowie perspektivisch Salzkavernen für die Speicherung ein. Für die Bereitstellung des benötigten Wassers (u. a. Brauchwasser/aufbereitetes Abwasser) ist auch der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) Teil des Projekts.

Video:© Friesen Elektra Green Energy AG

Stand: 01/2026

Methan-Plasma-Elektrolyseur

Der Plasmalyzer® (Methan-Plasma-Elektrolyseur) ist eine innovative Technologie zur Erzeugung von Wasserstoff durch einen Prozess namens Methan-Plasmalyse, der sich von der Pyrolyse dadurch unterscheidet, dass er seine plasmakatalytischen Fähigkeiten bei hohen Temperaturen von über 1300 °C nutzt. Im Plasmalyzer® wird aus Solar- oder Windenergie ein Hochspannungsplasmafeld erzeugt und Methan in seine molekularen Bestandteile Wasserstoff und Kohlenstoff aufgespalten. Der erzeugte Wasserstoff und der feste Kohlenstoff werden durch einen Carbon Black Separator getrennt. Anschließend wird der Ruß mit einer Verdichterschnecke komprimiert. Der Wasserstoff kann direkt genutzt werden. Der feste Kohlenstoff kann als industrieller Hilfsstoff, beispielsweise für Asphalt, Beton, Zement oder zur Bodenverbesserung, verwendet werden.

Projektstatus:

Umsetzung

Die Graforce GmbH wurde 2012 von Dr. Jens Hanke gegründet und ist seitdem in Berlin-Adlershof ansässig. Das Unternehmen ist Technologieführer bei nachhaltigen Lösungen und Negativ-Emissions- Technologien. Power-to-X-Anlagen produzieren CO2-freien oder CO2-negativen Wasserstoff und synthetische Rohstoffe – mit höchster Effizienz und geringeren Infrastrukturkosten im Multi-Megawatt-Bereich. Damit dekarbonisiert das Unternehmen fossile Energien.

Foto:© Graforce GmbH

Stand: 10/2025

Von Bioressourcen und Wasserstoff zu Methan als Kraftstoff

Am Standort Leipzig betreibt das DBFZ Deutsche Biomasseforschungszentrum gemeinnützige GmbH im Forschungs- und Demonstrationsprojekt Pilot-SBG eine Bioraffinerie im Pilotmaßstab. In dieser Anlage auf über 1000 m² werden biogene Rest- und Abfallstoffe sowie Wasserstoff als Einsatzstoffe genutzt. Durch den Umwandlungsprozess entstehen daraus erneuerbares Methan und wertvolle Nebenprodukte.

In Fermentern entsteht zunächst aus den biogenen Substraten wie Getreidestroh, Rindergülle oder kommunalem Bioabfall das Biogas, welches überwiegend aus (Bio-)Methan (CH4) und Kohlenstoffdioxid (CO₂) besteht. Das enthaltene biogene CO₂ wird im nachgeschalteten Methanisierungsprozess mit Wasserstoff (H2) zu (E-)Methan umgewandelt. Tiefkalt verflüssigt kann dieses Methan als Kraftstoff im Verkehrssektor zur Anwendung kommen – als erneuerbares LNG. Bei hoher Auslastung wird der Pilotanlage etwa 1 Tonne Inputmaterial pro Woche zugeführt, wodurch 21 – 28 m³/Woche Biogas entstehen (entspricht einer Leistung von ca. 1 kW). Dessen Zusammensetzung liegt bei ca. 50 – 55 % CH₄, 45 – 50 % CO₂ und 250 – 500 ppm H₂S. In der Methanisierung wird ein CO₂-Umsatz von 98 % erreicht. Im Sinne einer ganzheitlichen Bioraffinerie werden, neben dem Methan, weitere Nebenprodukte aus dem Gärrest erforscht – insbesondere Dünger und Hydrokohle. Die kontinuierlich laufende Pilotanlage bildet dabei mit ihrer hohen Dichte an Messtechnik die Grundlage für die Entwicklung kommerzieller Anlagenkonzepte. Neben der Optimierung von Einzelprozessen sowie deren Schnittstellen und Wechselwirkungen können so auch übergreifende Stoff- und Energiebilanzen erarbeitet werden. Diese bilden wiederum die Grundlage für die Entwicklung wirtschaftlich tragfähiger und klimapolitisch nachhaltiger Lösungen.

Projektstatus:

Entwicklung

Das Vorhaben läuft im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr (BMV). Betreiber ist das Deutsche Biomasseforschungszentrum gemeinnützige Gmbh (DBFZ) in Leipzig. Die Pilotanlage dient als Forschungs- und Demonstrationsplattform zur Optimierung der Prozessparameter, zur Auswertung von Betriebsdaten und als Grundlage für Scale-up/kommerzielle Konzeptentwicklung.

Video/Bild:© 2025 Deutsches Biomasseforschungszentrum gemeinnützige GmbH

Stand: 03/2026